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Die Sehnsucht nach der letzten Ruhe im Meer



Eine Trauergesellschaft fährt mit einem Schiff aufs offene Meer hinaus, der Kapitän hält eine kurze Ansprache und schließlich wird die Urne mit der Asche des Verstorbenen ins Wasser hinuntergelassen. Diese Art der Bestattung wird immer häufiger einer klassischen Beerdigung auf einem Friedhof an Land vorgezogen. Rund 15.000 Trauerfeiern auf See gibt es in Deutschland mittlerweile pro Jahr und die Tendenz ist steigend. Ein großer Teil davon wird an der niedersächsischen Nordseeküste durchgeführt, wo mehrere Anbieter von verschiedenen Häfen aus ablegen.

Keine Folgekosten bei Seebestattung

Die Gründe für eine Seebestattung sind vielfältig. »Häufig entscheiden sich dafür Menschen, die sich dem Wasser sehr verbunden fühlen und die besondere Atmosphäre auf dem Meer schätzen«, sagt Svenja Sturm von einer Seebestattungs-Reederei aus Harlesiel im Gespräch mit NDR.de. Aber auch der finanzielle Aspekt spiele eine nicht unerhebliche Rolle. »Die Bestattung auf See ist etwas günstiger als eine Beerdigung an Land und vor allem fallen keine Folgekosten für das Grab und die Pflege an«, so Sturm. Insgesamt nehme die Zahl der Beisetzungen auf dem Meer seit Längerem stetig zu: »Da ist auf jeden Fall ein Trend zu erkennen.«

Zahlreiche Häfen im Angebot

Fast jeden Tag im Jahr laufen die Kapitäne des Unternehmens mit dem Motorschiff »Horizont« aus, um die Überreste eines Menschen dem Meer zu übergeben. Die meisten Fahrten beginnen in Harlesiel, auf Wunsch der Trauergesellschaft können aber auch andere Häfen als Ausgangspunkt gewählt werden. Das Angebot beschränkt sich dabei nicht auf die Nordsee, selbst Bestattungen im Mittelmeer mit gecharterten Schiffen sind möglich. »Wir hatten sogar mal eine Anfrage für eine Beisetzung am Ort des Untergangs der »Titanic««, erzählt Sturm. Aus finanziellen Gründen sei der Auftrag letztendlich allerdings nicht zustande gekommen.

Gedenkstätte als Ort der Trauer

Ein Großteil der Verstorbenen wird zwischen den Inseln Spiekeroog und Wangerooge beigesetzt. Die Reederei bietet regelmäßig Gedenkfahrten in das Bestattungsgebiet an, damit Hinterbliebene bei Bedarf die letzte Ruhestätte ihres Angehörigen besuchen können. Eine Möglichkeit zur Trauer bietet seit April zudem die »Brücke der Erinnerung« in Harlesiel. Die direkt am Meer gelegene Gedenkstätte ist in Form eines Schiffhecks gestaltet und exakt auf das Beisetzungsgebiet auf See ausgerichtet. Angehörige können an acht Stelen zudem persönliche Gedenktafeln aus Edelstahl anbringen lassen.

Kunden aus ganz Deutschland

Einen ähnlichen Ort der Trauer gibt es auch in Norddeich. Hier kann der auf See bestatteten Menschen an der im Juni 2015 eröffneten Stele »Meeresblick« gedacht werden. Die Anlage besteht aus einem großen Granit-Block, auf dem Plaketten mit Daten der Verstorbenen angebracht sind, und einer Granit-Bank zu Innehalten. Steffen Scheepker, der von Norddeich und den umliegenden Inseln aus Seebestattungen anbietet, bestätigt die steigende Nachfrage. »Diese Form der Beisetzung wird sehr gut angenommen«, sagt er. »Wir bestatten Menschen aus ganz Deutschland, die zum Beispiel früher an der Nordsee Urlaub gemacht haben und deshalb hier ihre letzte Ruhe finden wollen.« Weitere Anbieter gibt es unter anderem in Emden, Hooksiel und Cuxhaven.