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Abschied auf maritime Weise - Wünsche auch bei Seebestattungen immer individueller


Die Beerdigungskultur ist im Wandel, das gilt auch für die Seebestattung. Sie wird längst nicht nur in der Nord- oder Ostsee angeboten, sondern auch im Mittelmeer und in der Karibik.

Der Seebestatter der Reederei Albrecht in Carolinensiel lässt in Höhe der Insel Wangerooge eine Urne aus Muschelkalk in die Nordsee hinab.

Harlesiel/Wilhelmshaven Immer mehr Hinterbliebene möchten die Beerdigung eines gestorbenen Angehörigen individuell gestalten. Karaoke, Powerpoint-Präsentation, Sarg vom Pony ziehen lassen: Solche Wünsche liegen nach einer Studie im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Bestatter (BDB) im Trend. Auch Seebestattungen machen da keine Ausnahme. „Die Leute werden immer kreativer“, sagt Svenja Sturm, Mitarbeiterin der Seebestattungs-Reederei Albrecht in Carolinensiel-Harlesiel an der Nordsee. „Wir hatten schon eine Jazzkapelle und einen Shanty-Chor an Bord.“

Es seien nicht nur Küstenbewohner, die sich für eine Seebestattung entscheiden. „Wir haben sehr viele, die lange ihren Urlaub hier verbracht haben oder auch Wassersportler, die viel auf der Nordsee unterwegs waren“, berichtet Sturm.

Doch nicht nur die heimischen Gewässer sind im letzten Willen von Gestorbenen gefragt. „Wir haben auch schon Seebestattungen vor Mallorca, Venedig und in Thailand und der Karibik gemacht“, erzählt Svenja Sturm.

„Das wird immer mehr in Anspruch genommen.“ Meistens habe den Gestorbenen im Urlaub der Ort so gut gefallen, dass sie dort bestattet werden wollten. Eine der ungewöhnlichsten Anfragen war, jemanden auf der Untergangsposition der „Titanic“ beisetzen zu lassen. „Das ist dann letztlich aus finanziellen Gründen gescheitert“, sagt Svenja Sturm.

Der Anteil der Seebestattungen an Beisetzungen insgesamt in Deutschland ist zwar eher gering: Von 860 000 Menschen, die jedes Jahr sterben, werden nach BDB-Angaben rund 10 000 auf See bestattet. Die Zahl sei aber relativ stabil mit leicht steigender Tendenz, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. Wer sich dafür entscheide, habe meist einen Bezug zum Wasser. Problematisch sei für manche Hinterbliebene, dass sie an Land keinen Ort des Gedenkens haben. Zwar bieten Reedereien regelmäßige Gedenkfahrten zu den Bestattungspositionen an. Manchen reicht das aber nicht.

Die Stadt Wilhelmshaven hat darauf reagiert. 2011 wurde die Erinnerungsstätte „Seefrieden“ eröffnet. An Holzstelen mit Blick aufs Wasser können Hinterbliebene Schilder mit dem Namen von Angehörigen anbringen, die auf See bestattet wurden. „In dieser Form ist das einmalig an der Nordseeküste“, sagt Martina Hartmann vom städtischen Eigenbetrieb Technische Betriebe Wilhelmshaven.

194 Schilder wurden bereits befestigt. Viele der Menschen seien schon vor langer Zeit gestorben. „Bei einem war die Seebestattung 1984“, sagt Martina Hartmann. Daran sei zu erkennen, dass der Bedarf nach einer Gedenkstätte an Land auch nach vielen Jahren noch groß sei. Oft werde als Erinnerung etwas an die Stelen gehängt oder davor abgelegt.