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Brücke der Erinnerung eröffnet


Feierstunde Reeder Dieter Albrecht errichtet Gedenkstätte für Seebestattungen
Ein Steg führt zur Gedenkstätte in den Salzwiesen am Osthafen von Harlesiel. Zwischen Wangerooge und Spiekeroog liegt das Bestattungsfeld.

Über einen 28 Meter langen Steg geht es zur Gedenkstätte für Seebestattungen. Auf der Plattform stehen acht Stelen. Von dort hat der Besucher einen Blick auf die Nordsee mit den Inseln Wagerooge und Spiekeroog. Bild: Manfred Stolle.

Harlesiel - Im Osthafen von Harlesiel ist am Donnerstag eine „Brücke der Erinnerung“ eröffnet worden. „Heute ist für mich ein großer Tag. Eine Herzensangelegenheit ist in Erfüllung gegangen“, sagte Reeder Dieter Albrecht bei der Eröffnung der Gedenkstätte. Es ist eine Gedenkstätte für Seebestattungen, ein Ort des Erinnerns und der Trauer für die Angehörigen.

Albrecht freute sich besonders, dass viele Angehörige da waren, „denn für Sie ist der Ort gedacht“, sagte Albrecht vor 220 Gästen. Zwei von ihnen waren die Geschwister Marie-Claire und Sascha Rückbrodt aus Jever. Sie hatten Blumen für ihren auf See bestatteten Vater mitgebracht, die sie am Ende der Gedenkstätte in einen Behälter geben konnten.

Über dem Eingang zur „Brücke der Erinnerung“ steht der Spruch „Hast Du Sehnsucht und denkst an mich, setzt Dich ans Wasser, es tröstet Dich“. Dahinter beginnt ein 28 Meter langer Steg über die Salzwiesen von Harlesiel. Auf ihr sind acht Stelen mit Teakholzfüllung angebracht. Auf ihnen können Tafeln mit Namen, Geburts- und Sterbedatum sowie der Beisetzungsposition angebracht werden. 80 Tafeln gibt es bereits.

Platz für Blumen

Am Ende der Brücke, das dem Heck eines Schiffs nachempfunden wurde, steht eine Laterne, die als Licht in der Nacht leuchten soll. Außerdem gibt es Vorrichtungen zum Ablegen von Blumen.

Schaut der Betrachter auf das Meer, sieht er die Inseln Wangerooge und Spiekeroog. Zwischen ihnen liegt der Ort der Seebestattungen, an dem die Urnen mit der Asche der Angehörigen auf den Meeresboden gleiten.

„Es ist gut, dass es einen Ort gibt, wo man hingehen kann“, sagten die Geschwister Rückbrodt aus Jever. „Die meisten von uns brauchen einen Ort, und sei es nur, um Blumen abzulegen“, sagte Albrecht. Immer wieder habe er beobachtet, dass Angehörige zwischen Touristen an den Strand gegangen seien und Blumen ablegten. Das sei für beide Gruppen nicht schön gewesen. Die Gedenkstätte, für die der Hafenzweckverband Harlesiel einen Parkplatz anlegte, sei ein Ort der Ruhe nah am Wasser und nicht in der Nähe von Touristenströmen.

Seebestattungen in Harlesiel
1968 begann die Reederei Albrecht aus Harlesiel mit ihren ersten Seebestattungsfahrten. Es waren 25 pro Jahr. Seit 1996, da gab es bereits 125 Fahrten pro Jahr, ist es das Hauptgeschäft von Dieter Albrecht, der außerdem noch den Raddampfer „Concordia“ zwischen Carolinensiel und Harlesiel fahren lässt.
Inzwischen fährt die Reederei täglich mit Trauergästen auf die Nordsee hinaus. Im Herbst wird ein zweites Schiff, das zurzeit bereits umgebaut wird, dazukommen. Daneben bietet Albrecht regelmäßig Trauerfahrten zu den Beisetzungsplätzen auf dem Meer an.
Waren es anfangs nur wenige Seebestattungen von Seeleuten, entscheiden sich heute zunehmend mehr Menschen für eine Bestattung im Meer als Alternative zur Erdbestattung. Die Reederei Albrecht arbeitet mit Bestattern aus allen Teilen Deutschlands und dem angrenzenden Ausland zusammen. Sie bietet Seebestattungen in der ganzen Welt an.

Die Menschen suchten die Nähe zu Orten, die sie mit einem verlorenen Angehörigen verbinden. „Hier eröffnen wir einen solchen Ort“, sagte Pastorin Arnhild Bösemann in ihrer Ansprache. „Angehörige entscheiden sich häufig für eine Seebestattung, weil sie es als weniger endgültig empfinden, die Urne eines geliebten Menschen in die sanften Wogen des Meeres gleiten zu sehen“, sagte der Wittmunder Bürgermeister und Hafenzweckverbandsvorsitzende Rolf Claußen.

Doch einige Hinterbliebene vermissten einen Ort für Trauer und Erinnerung. „Wo kann dieser Ort sein, der uns hilft, unseren Schmerz zuzulassen“, sagte Claußen. Den könne es trotz Seebestattung geben. „An einem solchen Ort befinden wir uns heute hier“, so Claußen.

Acht Monate Bauzeit

Zwei Jahre Planungs- und acht Monate Bauzeit waren nötig, um die bisher einmalige Anlage zu erstellen. Kleinere Gedenkstätten für Seebestattungen gibt es in Norddeich und Wilhelmshaven. „Die Gedenkstätte liegt hier fast ungeschützt an der See, schwere Stürme mit Orkanböen sowie Sturmfluten sind hier möglich“, sagte Albrecht. Das habe man berücksichtigt.

Eröffnung Brücke der ErinnerungReeder Dieter Albrecht (rechts) schuf die Erinnerungsstätte. Posaunenspieler aus Berdum und Carolinensiel begleiteten die Eröffnungsfeier.

Um Standsicherheit zu gewährleisten, habe man 150 Tonnen Material wie Beton, Stahl und Holz verarbeitet. Die Baukosten hätten bei 150 000 Euro gelegen.

Die Gedenkstätte, die von der Reederei Albrecht gebaut wurde und von ihr gepflegt wird, hatte viele Unterstützer. Albrecht bedankte sich bei Rolf Claußen als Vorsitzenden des Hafenzweckverbands Harlesiel, auf dessen Grund und Boden die Anlage entstand.

Der Geschäftsführer des Hafenzweckverbands Johann Schild sei eine große Hilfe gewesen. „Ohne ihn wäre es ein schwerer Weg geworden“, sagte Albrecht. „Ich habe nicht geglaubt, dass es noch eine so kooperative Behörde gibt“, sagte der Reeder über die friesische Kreisverwaltung. Sie war zuständig, weil die Brücke der Erinnerung auf Wangerländer Gebiet liegt.

Zwei Jahre Planung und Bau beanspruchte die Brücke in den Salzwiesen, rund 150 Tonnen Material wurden verbaut. Aufgrund der Witterung und möglichen Sturmfluten im Außenbereich Harlesiels wurden die Bauteile durch Konservierung haltbar gemacht. Teakholz gefüllte Stelen bieten die Möglichkeit, für die auf See Beigesetzten eine Plakette anbringen zu lassen. "130 Plaketten sind bereits bestellt, 80 sind schon montiert", erklärte Dieter Albrecht. Vor dem Bau der Seegedenkstätte hätten Trauernde teilweise Blumen am Strand abgelegt: "Das war sowohl für die Hinterbliebenen als auch für die Touristen nicht angenehm." Pastorin Arnhild Bösemann aus Carolinensiel sprach von einem "Ort, zu dem die Menschen in einem für sie wichtigen Moment gehen können."